Herzglykoside und ihre Wirkung

Aus der Fingerhutpflanze werden die Wirkstoffe (Digoxin und Digitoxin) einiger Herzglykoside gewonnen

Wirkstoffe der Herzglykoside wie Digoxin und Digitoxin stammen aus dem Fingerhut (Digitalis) und kommen bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen zum Einsatz.

Herzglykoside waren die ersten Medikamente bei Herzinsuffizienz und werden heute vor allem Herzinsuffizienz-Patienten verschrieben, die unter Vorhofflimmern mit hoher Herzfrequenz leiden. Die Wirkstoffe sind überwiegend pflanzlichen Ursprungs: Digoxin und Digitoxin stammen beispielsweise aus der Fingerhutpflanze (Digitalis). Welche gewünschte Wirkung haben diese Herzglykoside auf das Herz und welche Nebenwirkungen können auftreten?

Herzglykoside: Wer profitiert von der Wirkung?

Herzglykoside kommen vor allem bei fortgeschrittenen Stadien (NYHA-Stadien 3 und 4) der Herzschwäche zum Einsatz, wenn andere Herzinsuffizienz-Medikamente die Beschwerden nicht ausreichend lindern. Stadien 1 und 2 einer Herzschwäche können mit Digitalis-Präparaten wie Digoxin oder Digitoxin behandelt werden, wenn zusätzlich starke Herzrhythmusstörungen auftreten, die aufgrund von Vorhofflimmern entstehen.

Herzrhythmusstörungen sind bei Herzinsuffizienz ein Problem, da sie das Herz auf Dauer noch stärker schwächen. Außerdem schlägt das Herz bei Vorhofflimmern zu schnell und zu unregelmäßig, was das Herz zusätzlich belastet. Hier setzt die Wirkung der Herzglykoside an – sie sorgen dafür, dass das Herz langsamer schlägt und regen den Herzmuskel dazu an, sich stärker zusammenzuziehen. Das Herz muss also einerseits weniger pumpen und kann andererseits wieder kraftvoller arbeiten. Daneben verbessern Herzglykoside die Durchblutung der Nieren und wirken entwässernd. Dadurch sinkt der Druck in den Blutgefäßen und das Herz wird zusätzlich entlastet.

Welche unerwünschten Wirkungen können auftreten?

Wie alle Arzneimittel können Herzglykoside bei der Einnahme zu Nebenwirkungen führen. Das sind unter anderem:

  • verminderter Pulsschlag

  • Herzrasen

  • Magen-Darm-Beschwerden wie Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Durchfall

  • Schwindel

  • Verwirrung

  • Kopfschmerzen

  • selten auch Sehstörungen

Weitere Nebenwirkungen entnehmen Sie bitte der Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Sollten Patienten bei der Behandlung mit Herzglykosiden solche Nebenwirkungen bei sich feststellen, ist unbedingt ein Arzt zu Rate zu ziehen.
Außerdem ist bei Digitalis-Präparaten wie Digoxin oder Digitoxin unbedingt darauf zu achten, dass die Einnahmevorschriften genau eingehalten werden. Denn bereits ein paar Tabletten zu viel können zu einer Überdosierung und damit zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Wirkung und Nebenwirkung von Herzglykosiden liegen also sehr nahe beieinander.

Wann dürfen Herzglykoside nicht eingenommen werden?

Für manche Patienten kommt eine Behandlung mit Herzglykosiden nicht infrage. Dazu zählen Patienten mit bestimmten Vorerkrankungen oder Beschwerden wie:

  • Funktionsstörungen der Schilddrüse (Unterfunktion)

  • Störung der Erregungsleitung des Herzens

  • Störungen des Salzhaushaltes im Körper

  • zu langsamer Herzschlag

  • Schädigungen am Herzmuskel

Digoxin und Digitoxin: Gibt es Unterschiede?

Auch wenn die Namen Digoxin und Digitoxin sehr ähnlich klingen und sie prinzipiell die gleiche Wirkung besitzen, so unterscheiden sie sich doch: Die Wirkung von Digitoxin ist verzögert, so dass es nicht bei anfallsartigen Herzbeschwerden eingesetzt werden kann. Dafür kommt Digitoxin im Gegensatz zu dem Herzglykosid Digoxin auch bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen infrage, da es hauptsächlich über die Leber abgebaut wird.