Sind die Symptome der Herzinsuffizienz bei Frauen und Männern gleich?

Herz ist nicht gleich Herz – auch was das Geschlecht betrifft: Bei der Herzinsuffizienz gibt es einige Unterschiede zwischen Männern und Frauen, sowohl bei Ursachen und Symptomen als auch in der Prognose. Daher kann sich auch ihre Behandlung unterscheiden.

Herzinsuffizienz bei Frauen: oft andere Ursachen und schwächere Symptome

Auf den ersten Blick kommt eine Herzschwäche bei Männern und Frauen gleich häufig vor – etwa zwei bis drei Prozent beider Geschlechter erkranken an Herzinsuffizienz. Betrachtet man die Altersgruppen, in denen Männer und Frauen an Herzschwäche leiden, zeigt sich jedoch: Bis zu einem Alter von 75 Jahren sind es mehrheitlich Männer, die eine Herzschwäche aufweisen. Ab 75 Jahren sind Frauen häufiger betroffen.

Auch bei den Ursachen der Herzschwäche zeigen sich geschlechtsspezifische Unterschiede. Bei Frauen führen häufiger ein zu hoher Blutdruck (besonders bei jüngeren Frauen), Erkrankungen der Herzklappen sowie Diabetes zu einer Herzinsuffizienz. Männer leiden hingegen in der Mehrheit an koronarer Herzkrankheit, einer Versteifung der Gefäßwände. Außerdem rauchen sie öfter und haben höhere Blutfettwerte.

Frauen erkranken häufiger an der diastolischen Herzinsuffizienz. Bei dieser Form der Herzschwäche ist die Pumpfunktion des Herzens normal – allerdings kann sich die linke Herzkammer hier schlechter ausdehnen und deshalb nicht so gut mit Blut füllen. Es kommt zu einem Rückstau des Blutes in die Lunge, was zu Atemnot führt. Bei Männern hingegen ist die systolische Herzinsuffizienz häufiger anzutreffen, die mit einer verminderten Pumpleistung einhergeht. Die diastolische Herzinsuffizienz ist schlechter mit Medikamenten zu behandeln als die systolische Herzinsuffizienz.

Insgesamt sind die Symptome der Herzinsuffizienz wie Atemnot, Müdigkeit oder Herzrhythmusstörungen bei Frauen schwächer ausgeprägt als bei Männern. Die Folge ist, dass Frauen später zum Arzt gehen und daher die Behandlung später einsetzt.

Unter den Begleitsymptomen einer Herzinsuffizienz wie Ängsten und Depressionen leiden Frauen mit Herzinsuffizienz dagegen öfter.

Männer und Frauen haben eine unterschiedliche Prognose beim Krankheitsverlauf

Studien zeigen, dass Frauen mit Herzinsuffizienz eine günstigere Prognose haben als Männer, deren statistisches Risiko an einer Herzinsuffizienz zu sterben 30 Prozent höher ist als bei Frauen. Man vermutet, dass die Gründe hierfür in einer besseren Funktionsfähigkeit der linken Herzkammer und weniger Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße bei Frauen liegen, da diese seltener Herzinfarkte oder Schlaganfälle erleiden.

Werden Frauen mit Herzinsuffizienz anders behandelt als Männer?

Studien zeigen, dass Männer und Frauen mit Herzschwäche in der Praxis oft unterschiedlich behandelt werden. Beispielsweise bekommen Männer häufiger die Medikamente, die in der Leitlinie zur Behandlung der Herzinsuffizienz vorgesehen sind, verordnet als Frauen. Dies liegt unter anderem daran, dass Frauen häufiger Nebenwirkungen der medikamentösen Therapie, wie Husten oder Blutungsneigung, entwickeln.

Die Dosis der Medikamente ist bei Frauen meistens niedriger als bei Männern, weil Frauen in der Regel weniger wiegen als Männer und eine andere Körperfettverteilung haben. Aufgrund dessen können sie schneller einen höheren Wirkstoffspiegel im Blut erreichen.