Kompensierte Herzinsuffizienz – wenn das Herz versucht, sich selbst zu helfen

Dekompensierte oder kompensierte Herzinsuffizienz? Die genaue Untersuchung des Herzens kann das verraten.

Bei einer kompensierten Herzinsuffizienz vergrößert sich das Herz, um die Pumpschwäche kurzfristig auszugleichen.

Wenn Patienten die Arztpraxis mit der Diagnose „chronische Herzinsuffizienz“ verlassen, ist die Erkrankung meist schon recht weit fortgeschritten. Dies liegt unter anderem daran, dass unser Körper zu Beginn der Erkrankung verschiedene Strategien entwickelt hat, die schlechte Pumpleistung des Herzens für eine Weile auszugleichen, also zu kompensieren. Gut gehen kann das mehrere Monate oder Jahre, bis es letztendlich zur Dekompensation des Herzens, einer akuten Krise, kommt. Die Symptome treten nun deutlich hervor; viele Betroffene suchen erst jetzt ärztlichen Rat.

Was passiert bei einer kompensierten Herzinsuffizienz?

Bei der Herzinsuffizienz ist das geschwächte Herz nicht mehr in der Lage, genügend Sauerstoff und Nährstoffe zu den Organen oder anderen Körperteilen zu transportieren. Auch wenn wir das selbst nicht bemerken, unser Körper reagiert mit einer Reihe von Gegenmaßnahmen. Gelingt es dem Herzen dadurch, die Pumpschwäche auszugleichen, spricht man von kompensierter Herzinsuffizienz.

Eine kompensierte Herzinsuffizienz bedeutet, dass Betroffene zu Beginn einer chronischen Herzschwäche noch keine Symptome verspüren oder diese nur bei stärkeren körperlichen Belastungen auftreten. Das Tückische daran: So kann die Erkrankung unbemerkt fortschreiten.

Zu den wichtigsten Gegenmaßnahmen, die der Körper bei einer kompensierten Herzinsuffizienz aktiviert, zählen folgende Aktivitäten:

  • Eine vermehrte Ausschüttung von Hormonen wie Adrenalin und Noradrenalin, welche die Schlagkraft des Herzens steigern und über eine Engstellung der Gefäße den Blutdruck erhöhen.
  • Eine Steigerung des Blutvolumens und eine Erhöhung des Blutdrucks durch andere körpereigene Hormone.

Vereinfacht gesagt, geht unser Körper davon aus, dass die schlechte Durchblutung der Organe an einem zu niedrigen Blutdruck liegt – und nicht wie tatsächlich an einer Störung des Taktgebers selbst. Deshalb ergreift er Gegenmaßnahmen: Durch die Ausschüttung der verschiedenen Hormone wird das Blutvolumen erhöht und dadurch der Widerstand in den Gefäßen gesteigert. Dies ist zunächst eine hilfreiche Strategie, um genug Blut in den Körper zu pumpen.

Die Auswirkungen einer kompensierten Herzinsuffizienz

Wie lässt sich frühzeitig erkennen, dass der Körper bestimmte Hormone ausschüttet, um das schwache Herz zu unterstützen? Ganz einfach: Bei einer kompensierten Herzinsuffizienz passiert nicht nur etwas im Hormonhaushalt des Körpers, auch das Herz selbst wird dadurch umgebaut – was Mediziner mit modernen Untersuchungsmethoden erkennen können.
Zu den wichtigsten Umbaumaßnahmen am Herzen gehören:

  • Eine Verdickung der Herzmuskelfasern (Hypertrophie): Um besser mit der erhöhten Druckbelastung zurecht zu kommen, verdicken sich die Herzmuskelfasern, was die Pumpkraft erhöht.
  • Eine Dehnung der Herzmuskelfasern (Frank-Sterling-Mechanismus): Indem sich die Herzmuskelfasern dehnen, kann sich das Herz besser zusammenziehen und dadurch besser pumpen.
  • Eine Vergrößerung der Herzkammern (Dilatation): Steigt das Blutvolumen an und kann die linke Herzkammer dieses gleichzeitig nicht mehr ausreichend kraftvoll in den Körper befördern, vergrößert sich die linke Herzkammer. Dadurch kann sie kurzzeitig mehr Blut in den Körper befördern.
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Selbsthilfe des Herzens: Grafik zur Unterscheidung zwischen dekompensierter und kompensierter Herzinsuffizienz

Kompensierte Herzinsuffizienz: Wie gleicht das Herz die Pumpschwäche aus?
(Klick zum vergrößern)

Durch die oben genannten Maßnahmen kann das Herz den erhöhten Anforderungen durch die Herzschwäche eine Zeit lang gerecht werden. Die Fähigkeit des Körpers, die Herzinsuffizienz zu kompensieren, hat allerdings Grenzen.

Wie kommt es zur dekompensierten Herzinsuffizienz?

Mittel- und langfristig ist das Herz mit der Aufrechterhaltung des „normalen Betriebs“ durch reine Selbsthilfe-Maßnahmen überfordert. Die Gegenmaßnahmen werden mit der Zeit nicht nur uneffektiver, sie schaden zudem auf Dauer auch der Herzfunktion.

Beispiele für ungünstige Effekte der Umbaumaßnahmen am Herzen sind:

  • Die Verdickung des Herzens führt dazu, dass der Herzmuskel weniger elastisch ist und die Pumpleistung dadurch schlechter wird.
  • Der vergrößerte Herzmuskel benötigt mehr Sauerstoff, was für das geschwächte Herz eine zusätzliche Belastung darstellt.
  • Vergrößern sich die Herzkammern, kann dies undichte Herzklappen zur Folge haben, da diese nicht mitwachsen. Hierdurch kann Blut aus der linken Herzhälfte in die Lunge zurückfließen, wodurch Wasseransammlungen in der Lunge (Ödeme) entstehen.
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Wenn die Mechanismen des Körpers nicht mehr genügen, sodass Symptome wie Luftnot oder Ödeme bereits in Ruhe auftreten, sprechen Mediziner von dekompensierter Herzinsuffizienz.

Bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz sind alle Fähigkeiten des Körpers, die Herzschwäche auszugleichen, erschöpft. Die Leistung des Herzens reicht nicht mehr aus, um genügend Blut aufzunehmen und in den Körper auszuwerfen. Spätestens in diesem Zustand ist die Betreuung durch einen Facharzt für Herzgesundheit (Kardiologe) und die Einnahme geeigneter Medikamente extrem wichtig.