Herzinsuffizienz: Definition aus medizinischer Sicht

Mutter und Tochter machen sich im Internet über die Definition der Herzinsuffizienz schlau

Betroffene und Angehörige einer Herzinsuffizienz verstehen gemeinsam besser, wie man mit der Erkrankung lebt.

Einer von fünf Menschen erkrankt in seinem Leben an Herzinsuffizienz. Das ist die derzeitige Prognose dieser immer noch unterschätzten Erkrankung. Was viele nicht wissen: Herzinsuffizienz ist die häufigste Diagnose bei Krankenhauspatienten in Deutschland1. Um zu verstehen, welche Auswirkungen die Herzinsuffizienz auf den Körper und das Leben der Betroffenen hat, lohnt sich ein Blick auf die genaue Definition der Erkrankung.

So arbeitet das Herz: Herzinsuffizienz verstehen

Ein gesundes Herz pumpt über die linke Herzhälfte das mit Sauerstoff angereicherte Blut in die Blutgefäße. Nach seinem Weg durch den Körper kommt das nun sauerstoffarme Blut wieder am Herzen an. Über die rechte Herzhälfte strömt das Blut in die Lunge, wo es erneut mit Sauerstoff angereichert wird und der Blutkreislauf von neuem beginnt. Bei einer Herzinsuffizienz kann dieser normale Pumpvorgang des Herzens durch verschiedene Ursachen gestört sein.
Das Video erklärt leicht verständlich, ausgehend von der Funktionsweise des Herzens, wie sich das Herz und seine Leistungsfähigkeit bei einer Herzschwäche verändern.

Definition der Herzinsuffizienz laut Weltgesundheitsorganisation

Bei der Herzinsuffizienz (auch Herzmuskelschwäche) ist das Herz zu schwach, um das Blut in ausreichendem Umfang durch den Körper zu pumpen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert die Herzinsuffizienz als nachweisbare Funktionsstörung einer oder beider Herzkammer(n), bei der es zu einer eingeschränkten körperlichen Belastbarkeit kommt. Je nachdem, welche Herzkammer (rechts oder links) oder ob beide Herzkammern von der Pumpstörung betroffen sind, unterscheiden Mediziner zwischen:

Wenn das Blut nicht mehr ausreichend durch den Körper gepumpt wird, führt dies im Blutkreislauf zu einem sogenannten Rückwärts- oder Vorwärtsversagen.

Bei einem Rückwärtsversagen staut sich das Blut, das aus dem Körper und der Lunge zum Herzen zurückfließt. Bemerkbar macht sich das vor allem durch Wassereinlagerungen im Körper beispielsweise an den Füßen, den Beinen, am Bauch oder in der Lunge, was zu Atemnot führen kann. Bei einem Vorwärtsversagen ist die Auswurfleistung des Herzens nicht groß genug, um den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Weniger Sauerstoff kommt im Körper und den Organen an, sodass Atemnot und Schwäche auftreten können.

Wenn das Herz größer, aber nicht stärker wird – Definition von Herzmuskelhypertrophie

Eine dauerhafte Belastung des Herzens, die das Herz mehr arbeiten lässt als normal, wie beispielsweise bei Bluthochdruck, ist ein möglicher Auslöser der Herzinsuffizienz. Der Herzmuskel vergrößert sich durch die chronische Druckbelastung und wächst. Das heißt aber nicht, dass er dadurch auch leistungsfähiger ist. Dieser herzschwächende Zustand heißt Herzmuskelhypertrophie. Da das Herz nicht nur an Muskelmasse zunimmt, sondern auch Bindegewebe einlagert, verliert es an Elastizität. Das Herz wird steifer, unbeweglicher und wird selbst schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, weil die Blutgefäße des Herzmuskels nicht ausreichend mitwachsen.

  • Definition - wann ist das Herz zu groß?

    Das kritische Herzgewicht beträgt etwa 500 Gramm. Normalerweise wiegt das Herz bei Frauen 230 bis 280 Gramm und bei Männern 280 bis 340 Gramm. Ist das Herz zu groß, stimmt das Verhältnis aus Sauerstoffbedarf und Sauerstoffangebot des Herzmuskels nicht mehr. Symptome wie Brustschmerzen und Herzrhythmusstörungen können dann auftreten. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Herzinsuffizienz zu leiden, steigt.

Eine mögliche Konsequenz des größer werdenden Herzens ist die sogenannte diastolische Dysfunktion, die bei der diastolischen Herzinsuffizienz auftritt. Durch die verdickten Herzwände kann die linke Herzkammer nicht ausreichend Blut aufnehmen. Selbst wenn die Pumpkraft des Herzens dabei nicht beeinträchtigt ist, kommt zu wenig Blut im Körper an. Ein häufiges Symptom ist Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung.

Ausgleichsmechanismen der Herzinsuffizienz kennen und verstehen lernen

Ist das Herz zu schwach, kann der Körper eine gewisse Zeit dagegen ansteuern, indem er verschiedene, sogenannte  Kompensationsmechanismen, aktiviert. Sie sind die natürliche Antwort des Körpers, um die Blutversorgung der Organe weiterhin sicherzustellen. Beispielsweise schüttet der Körper die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus, um die Schlagkraft des Herzens zu steigern und die Blutgefäße zu verengen, damit durch den erhöhten Blutdruck überall genügend Blut ankommt. Reicht der ausgleichende Effekt nicht mehr aus, liegt eine sogenannte dekompensierte Herzinsuffizienz vor. Diese ruft selbst bei geringsten Anstrengungen oder in Ruhe Beschwerden wie Atemnot hervor. Unbehandelt ist die Dekompensation lebensbedrohlich, da sie zum Herzstillstand führen kann.

Um das Ausmaß der Erkrankung so früh wie möglich einzudämmen, ist es ganz wichtig, die verschiedenen Symptome einer Herzinsuffizienz zu kennen. Machen Sie jetzt unseren Online-Test und finden Sie sofort heraus, ob bei Ihnen bereits Anzeichen einer Herzinsuffizienz bestehen.

1 https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Krankenhaeuser/Tabellen/20DiagnosenInsgesamt.html