Wenn Herzinsuffizienz Gedächtnis und Gefühle beeinflusst

Mann bleibt trotz Herzinsuffizienz positivWir stellen uns Gehirn und Herz oft als gegensätzliche Pole vor. Unser Kopf steht für Logik und Vernunft, während unser Herz für Gefühle und Liebe zuständig ist. In Wirklichkeit stehen Herz und Hirn eng miteinander in Kontakt und beeinflussen sich gegenseitig. Das ist auch für Menschen mit Herzinsuffizienz wichtig:

Nach Übermittlung der Diagnose Herzinsuffizienz fühlen sich die Betroffenen häufig deprimiert oder ängstlich, was ganz natürlich und normal ist. Die Herzinsuffizienz kann aber auch über eine verminderte Sauerstoffversorgung des Gehirns zu Veränderungen in der Stimmung sowie zu Beeinträchtigungen im Erinnerungsvermögen und in der Entscheidungsfindung führen.¹ Man nennt diese Einschränkungen kognitive Beeinträchtigung.

Wie wirkt sich Herzinsuffizienz auf meine Stimmung und geistige Leistungsfähigkeit aus?

Die Herzinsuffizienz führt dazu, dass weniger sauerstoffreiches Blut durch den Körper gepumpt wird.² Das hat zur Folge, dass lebenswichtige Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden – das Gehirn eingeschlossen. So kommt es bei Menschen mit Herzinsuffizienz zu einer Reihe von Symptomen, die mit der beschränkten Blutzufuhr zum Gehirn zu tun haben: zum Beispiel zu Schwindelgefühlen, Stimmungsschwankungen und Problemen mit dem Kurzzeitgedächtnis.

Schon gewusst? Das menschliche Hirn verbraucht rund 20% des körperlichen Gesamtbedarfs an Sauerstoff

 

Was können Sie dagegen tun?

Auch wenn diese Beeinträchtigung von Stimmung und Gedächtnisleistung Anlass zu Sorge ist, sollten Betroffene positiv denken und sich bewusst machen: Sie können selbst etwas tun, um Herz und Gehirn zu unterstützen.

  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt: Sie müssen nicht allein mit Ihrer Herzinsuffizienz und den daraus resultierenden Beeinträchtigungen zurechtkommen. Mit der richtigen Behandlung lassen sich die Symptome der Herzinsuffizienz lindern. Auch Stimmungstiefs und Gedächtnisschwäche kann man entgegenwirken. Zudem sind regelmäßige Gespräche in einer Selbsthilfegruppe eine gute Möglichkeit, Ängste abzubauen und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen.

  • Werden Sie aktiv: Körperliche Aktivität stärkt die Funktionsfähigkeit des Gehirns! Auch wenn Ihre Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist, können Sie spazieren gehen oder ein wenig im Garten werkeln. Finden Sie eine Aktivität, die Ihnen Spaß macht und trotz der körperlichen Einschränkungen durch die Herzinsuffizienz möglich ist.

  • Seien Sie achtsam: Wenn man sich eines Problems bewusst wird, ist das bereits der erste Schritt zur Lösung. Genauso, wie Sie auf Gewicht, Energie, Schlaf und Atmung achten, könnte es Ihnen helfen, ein Stimmungstagebuch zu führen. Auf diese Weise halten Sie fest, wann es zu kognitiven Beeinträchtigungen kommt. So können Sie Schwankungen in Bezug auf Stimmung und Erinnerungsvermögen gut nachvollziehen und gegebenenfalls mit Ihrem Arzt besprechen.

Seien Sie freundlich zu sich selbst: Es ist ganz normal und nachvollziehbar, dass Sie sich durch die Herzinsuffizienz zeitweise deprimiert oder verängstigt fühlen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie nicht zu hart mit sich ins Gericht gehen, wenn Sie ein emotionales Tief haben oder sich nicht zu Aktivitäten motivieren können. Sprechen Sie mit einer Ihnen nahestehenden Person oder nehmen Sie sich Zeit für Aktivitäten, die Ihnen Spaß machen. Bitten Sie vor allem um Hilfe, wenn Sie Unterstützung benötigen, damit Sie mit Angstgefühlen wegen Ihrer Herzinsuffizienz besser zurechtkommen.

¹ Herrmann-Lingen, C. Herz (2011) 36: 135. doi:10.1007/s00059-011-3420-0
² Harrisons „Principles of Internal Medicine“, 17. Ausgabe S. 1442-1455