• Die Ernährungspyramide ist vielen ein Begriff, ist diese auch geeignet für Menschen mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems? Mit einer ausgewogenen und gesunden Ernährung kann man selbst einen wichtigen Beitrag für die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden leisten. Wie Sie gleich sehen werden, ist das gar nicht so schwer.

    Fett ist nicht gleich Fett

    Fotolia,80974800,Christian Jung

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    Fett ist eine wichtige Energiequelle für unseren Körper, zudem versorgt es unseren Organismus mit lebensnotwendigen essenziellen Fettsäuren und hilft dabei, die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K aus der Nahrung aufzunehmen. Der Verzehr von zu viel Fett oder den „falschen“ Fetten kann die Blutfettwerte (Cholesterin) erhöhen oder Entzündungsprozesse in den Blutgefäßen begünstigen und so letztlich die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Doch was sind gute und was schlechte Fette?

    Die Qualität der Fette wird durch die Zusammensetzung der Fettsäuren bestimmt: Es gibt ungesättigte, mehrfach ungesättigte und gesättigte Fettsäuren. Für Herz und Kreislauf sind vor allem die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, wie sie in Oliven-, Raps- und Leinöl vorkommen, besonders wertvoll. Besonders Omega-3-Fettsäuren verbessern die Fließeigenschaften des Blutes und wirken entzündungshemmend. Neben den genannten Pflanzenölen sind diese Fettsäuren auch in fetten Meerwasserfischen und Kaltwasserfischen wie Lachs, Makrele, Hering, Thunfisch und Sardine enthalten. Den Verzehr von Fleisch und Wurstwaren sowie von Gebratenem und Frittiertem sollten Sie reduzieren, da diese Lebensmittel vor allem gesättigte Fettsäuren enthalten. Wussten Sie zum Beispiel, dass 100 Gramm Leberkäse drei Esslöffel Fett enthalten und 100 Gramm Kartoffelchips sogar vier Esslöffel? Ungesalzene Nüsse in kleinen Mengen (5 bis 10) sind eine bessere Alternative und als Nascherei zwischendurch erlaubt.

    Eiweiß macht fit

    Eiweiß ist ein weiterer unverzichtbarer Bestandteil unserer Ernährung – es ist der Baustoff für unsere Muskulatur und ein wichtiger Nahrungsbestandteil für ein gut funktionierendes Immunsystem. Gute Eiweißquellen sind Fisch, Fleisch, Milchprodukte und Hülsenfrüchte. Auch Eier sind Lieferanten von hochwertigem Eiweiß, wegen des Cholesteringehalts sollten Sie den Verzehr allerdings auf drei Eier pro Woche begrenzen. Fisch ist nicht nur reich an ungesättigten Fettsäuren, sondern auch ein hochwertiger Eiweißlieferant. Bevorzugen Sie eine schonende, fettarme Zubereitungsart des Fischs wie Grillen oder Dünsten. Fischkonserven mit Soßen sowie Krusten- und Schalentiere sollten Sie jedoch meiden. Letztere sind zwar fettarm, haben jedoch häufig einen hohen Cholesteringehalt. Fisch sollten Sie mindestens zweimal pro Woche auf den Speiseplan setzen.

    Beim Fleisch ist helles Fleisch gesünder und fettärmer als rotes Fleisch. 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche sollten für eine herzgesunde Ernährung nicht überschritten werden, wobei auf fettreiche Wurstwaren, Pasteten und Fleischsalat so gut es geht verzichtet werden sollte.

    Milchprodukte sind gesund. Man sollte hier besonders auf fettreduzierte Nahrungsmittel zurückgreifen. Bioqualität lohnt sich bei Milchprodukten besonders, da sie gesünder als konventionell produzierte Produkte sind: Fressen die Kühe Gras und haben genug Auslauf, ist das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren in der Milch besser als bei konventioneller Milchkuhhaltung mit Kraftfutter. Auch Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen, Kichererbsen und Soja-Produkte haben einen hohen Gehalt an Eiweiß– aus ihnen lassen sich viele leckere Gerichte zubereiten und das ganz ohne Fette.

    Wenn Sie aufgrund einer Herzinsuffizienz eine eingeschränkte Nierenfunktion haben, kann es sein, dass Sie nur wenig Eiweiß verzehren dürfen, um die Niere nicht zu überlasten. Wenn das der Fall ist, sollten Sie Ihren Ernährungsplan unbedingt mit dem behandelnden Arzt abstimmen bzw. falls in der Praxis vorhanden mit dem Ernährungstherapeuten oder in der Klinik mit dem Diätassistenten.

    Kohlenhydrate, Zucker und Alkohol

    Ungeschälter Reis, Kartoffeln und Vollkornprodukte wie Brot, Nudeln und Getreideflocken sind eine gute Basis für eine gesunde Ernährung. Vollkornprodukte haben einen hohen Anteil an Ballaststoffen, die dazu beitragen können, die Blutfettwerte günstig zu beeinflussen. Zudem erhöhen Vollkornprodukte den Blutzuckerspiegel nicht so stark wie Nahrungsmittel aus Weißmehl, da die enthaltenen Kohlenhydrate langsam freigesetzt werden. Aus diesem Grund stellt sich das Hungergefühl bei Vollkornprodukten nicht so schnell wieder ein wie bei Weißmehlprodukten. Manchmal können Weizenvollkornprodukte nicht so gut vertragen werden, insbesondere wenn bisher wenig Vollkornprodukte verzehrt wurden. Besser bekömmliche Alternativen sind dann Roggensauerteigbrote oder Mischbrote mit Sauerteig sowie Produkte mit Hafer.

    Alle Kohlenhydrate, die schnell abgebaut werden, erhöhen die Blutfettwerte auch wenn diese selbst kein Fett enthalten! Zu diesen Lebensmitteln zählen Zucker, Fruchtzucker, Honig, Traubenzucker, Alkohol, Weißmehl, Weißbrot, geschälter Reis, Grieß sowie Teigwaren aus Auszugsmehl. Erhöhen Sie die Anteile von Gemüse und Salat und reduzieren Sie die Sättigungsbeilagen, so bekommt Ihr Körper mehr Ballast- und Vitalstoffe und der Blutzuckerspiegel wird positiv beeinflusst.

    Rohes Obst und Gemüse sollten Sie am besten im Laufe des Tages in Ihren Speiseplan integrieren – da die Verdauungsleistung mit dem Alter nachlässt und größere Rohkostmengen am Abend schlecht verträglich sein können. Eine weitere gute Lösung sind grüne Smoothies. Es handelt sich hierbei um cremige Getränke mit einem hohen Anteil an fein gemixtem Gemüse, die Sie mit Hilfe eines Stabmixers selbst zu Hause zubereiten können. Durch die bereits vor dem Verzehr erfolgte intensive Zerkleinerung ist das Gemüse besser bekömmlich und die wertvollen Inhaltsstoffe sind sehr gut verfügbar.

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    ¹ „Organic Production Enhances Milk Nutritional Quality by Shifting Fatty Acid Composition: A United States-Wide, 18-Month Study”, Charles M. Benbrook et al.; PLoS ONE, http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0082429

     

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