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    Mit der sogenannten Herzratenvariabilität kann man den aktuellen Stress-Zustand sichtbar machen. Sie ist ein Maß für den Entspannungsgrad des Herzens und lässt Rückschlüsse auf den Zustand des vegetativen Nervensystems zu. Kombiniert man diese einfache Messung mit Entspannungs- und Atemübungen, so bekommt man ein direktes Feedback, wie sich der Zustand des Nervensystems durch die Übungen verändert.

    Wie misst man innere Anspannung?

    Unsere Organfunktionen werden im Wesentlichen über das vegetative Nervensystem gesteuert. Auch das Herz verfügt über ein Netzwerk aus Nerven: Es registriert ununterbrochen äußere und innere Reize wie Gefahrensituationen, Blutdruck sowie den Erregungszustand und reagiert auf diese Impulse mit einer Anpassung des Herzschlags, wodurch sich die Abstände zwischen den einzelnen Herzschlägen verändern. Dies nennt man Herzratenvariabilität. Die Messung der Herzratenvariabilität ist also eine Möglichkeit die Anpassungsfähigkeit des Herzschlags auf die ständig wechselnden Herausforderungen sichtbar zu machen. Gleichzeitig ist die Herzratenvariabilität ein Indikator für die Anpassungsfähigkeit des gesamten Organismus an äußere und innere Reize.

    Menschen mit einer eingeschränkten Herzratenvariabilität sind durch äußere Ereignisse schnell überfordert und empfinden diese als Stress. Das kann langfristig zu Herzkrankheiten, Depressionen und anderen Gesundheitsstörungen führen.¹² Menschen, die über eine große Herzratenvariabilität verfügen, sind belastbarer und fühlen sich nicht so häufig gestresst, was einen stabileren Gesundheitszustand zur Folge hat.

    Verbesserte Anpassungsfähigkeit durch Biofeedback-Therapie

    Für viele Menschen ist es schwer zu spüren, ob sie gerade wirklich entspannt sind oder unter Stress stehen. Um den eigenen Körper wieder besser kennenzulernen, zu erfahren, in welchem Zustand er sich befindet und diesen Zustand positiv zu beeinflussen, kann man ein Herzratenvariabilität-Biofeedback-Gerät verwenden. Unter Biofeedback versteht man Methoden, mit denen man die Veränderungen im Nervensystem, die sich mit den Sinnen nicht direkt wahrnehmen lassen, sichtbar machen kann. Durch Messung und Visualisierung der inneren Regulationsvorgänge ist es möglich, diese durch Atem- oder Entspannungsübungen positiv zu beeinflussen. Besonders bewährt hat sich die sogenannte Herzatmung: Man stellt sich vor, statt durch Mund und Nase durch das Herz tief und langsam ein- und auszuatmen.

    Durch das Sichtbarmachen der erzielten Veränderung der Herzratenvariabilität lässt sich nach und nach eine dauerhafte Verbesserung der körpereigenen Regulation erzielen. Um die Herzratenvariabilität für eine Biofeedbacktherapie nutzen zu können, benötigt man eine Handy-App wie den Inner Balance Trainer oder ein Programm für den PC sowie einen kleinen Sensor, wie den emWave2, der an der Fingerspitze oder am Ohrläppchen befestigt wird. Mit diesem Sensor wird der Herzschlag gemessen und dann über die entsprechende Software am Bildschirm oder Display sichtbar gemacht. Durch die direkte Rückmeldung des Biofeedbacksystems können gestresste Menschen lernen, sich durch die Herzatmung oder Visualisierungsübungen zu entspannen und eine höhere Herzratenvariabilität zu erreichen.

    Bevor Sie mit dieser Entspannungstechnik beginnen, ist es sinnvoll sich darüber ausgiebig zu informieren und die Herzratenvariabilität gut zu verstehen. Sprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrem betreuenden Fachpersonal darüber, sie haben sicher ein paar wertvolle Tipps oder Anlaufstellen für Sie. Denn gerade am Anfang ist es empfehlenswert sich die Übungen und Techniken genau zeigen zu lassen und bei der ersten Ausübung begleitet zu werden.

     

    Buchtipps:

    Nicole Franke-Gricksch, Jens-Falk Heimann: Der Puls des Lebens – Die Signale des Herzens verstehen. PACs Verlag 2015, ISBN 9783944697024. 208 Seiten, Euro 24,90

    Herbig, Regine: Gefühlsregulierung – ein Tor zu innerer Balance. Stressbewältigung durch Herz-Resonanz. Junfermann 2013. ISBN 978-3-87387-947-8. 283 Seiten. Euro 25,90

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    ¹P. K. Stein u. a.: Severe depression is associated with markedly reduced heart rate variability in patients with stable coronary heart disease. J. Psychosomatic Research 2000 (48) 493-500;

    ²J. W. Hughes u.a.: Depressed mood is related to high-frequency heart rate variability during stressors. Psychosomatic Medicine 2000 (62) 796-803

     

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