Linksseitige Herzinsuffizienz: Systolisch oder diastolisch?

Systolische oder diastolische Herzinsuffizienz? Mann schiebt sein Rad, weil er Atemnot verspürt.

Luftnot beim Radfahren kann auf eine systolische oder diastolische Herzinsuffizienz hinweisen.

Wer atmet, lebt. Eine simple Aussage, die gleichzeitig zeigt, wie wichtig das Atmen für uns ist. Meist atmen wir ganz automatisch. Dass etwas nicht stimmt, merken wir erst, wenn uns die Luft wegbleibt. Klar, dass man nach körperlicher Anstrengung schon einmal aus der Puste kommt. Wenn man trotz moderatem Tempo jedoch sehr schnell außer Atem gerät und auch in der Pause noch minutenlang um Luft ringt, könnte es sich um ein erstes Anzeichen einer beginnenden linksseitigen Herzschwäche handeln. Hierbei kommen zwei Formen infrage: Die systolische und die diastolische Herzinsuffizienz.

Was ist systolische oder diastolische Herzinsuffizienz?

Sowohl bei der diastolischen, als auch bei der systolischen Herzinsuffizienz ist die linke Herzhälfte geschwächt. Dieser Teil des Herzens ist dafür zuständig, das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge im Körper zu verteilen. Je nachdem, welche Funktion der linken Herzhälfte genau gestört ist, spricht man von systolischer oder diastolischer Herzinsuffizienz:

  • Bei der systolischen Herzinsuffizienz kann sich das geschwächte Herz nicht mehr wie gewohnt zusammenziehen, wodurch es weniger sauerstoffreiches Blut in den Körper pumpt (Störung der Pumpfunktion).
  • Bei der diastolischen Herzinsuffizienz ist die Fähigkeit des Herzens vermindert, Blut aufzunehmen. Die linke Herzkammer ist versteift und kann sich deshalb nicht genug dehnen und mit Blut füllen (Füllungsstörung).
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Oft kommt es bei beiden Formen zu Atemnot (auch nachts), einer verminderten körperlichen Belastbarkeit oder Rasselgeräuschen beim Atmen. Da sich die beiden Formen der Linksherzinsuffizienz in ihren Symptomen stark ähneln, sollten sich Betroffene zur Abklärung an einen Facharzt wenden.

Ob bei Ihnen persönlich ein Risiko für Herzschwäche besteht, können Sie mit folgendem Test herausfinden.

Was passiert bei der systolischen und diastolischen Herzinsuffizienz?

Bei der systolischen Herzinsuffizienz ist der Auswurf der Blutmenge (Systole) in den Körperkreislauf deutlich vermindert. Es handelt sich daher um eine „echte“ Pumpschwäche des Herzens. Normalerweise werden pro Herzschlag zwischen 60 und 70 Prozent der gesamten Blutmenge ausgeworfen. (Mediziner bezeichnen den Auswurf des Blutes auch als Ejektionsfraktion). Bei einer schweren systolischen Herzinsuffizienz kann diese Zahl sogar unter 25 Prozent sinken.

  • Die systolische Herzinsuffizienz: Ein Vergleich

    Man kann sich die reduzierte Auswurfleistung vorstellen wie einen nassen Schwamm: Je kräftiger Sie den Schwamm mit der Hand umschließen, desto mehr Wasser wird herausströmen. Wenn Sie weniger Kraft aufwenden, gelangt weniger Wasser aus dem Schwamm. Auf das Herz bezogen bedeutet das: Bei der systolischen Herzinsuffizienz ist der Herzmuskel nicht mehr stark genug, sich ausreichend zusammenzuziehen, sodass weniger Blut in den Körper strömt.

Während man früher dachte, dass jede Form der Herzschwäche die Auswurfleistung betrifft, wissen Mediziner mittlerweile, dass auch Probleme mit der Füllung (Diastole) vorkommen. Die Rede ist dann von diastolischer Herzinsuffizienz.

Bei diastolischer Herzinsuffizienz ist die linke Herzkammer versteift und hat dadurch ihre Elastizität verloren, ähnlich wie ein ausgeleiertes Gummiband – während der Entspannungsphase des Herzens kann sie nicht genug Blut aufnehmen.

Zurück zum Beispiel mit dem Schwamm bedeutet dies: Der Schwamm ist verhärtet und kann nicht mehr so leicht zusammengepresst werden. Wenn Sie ihn nun unter den Wasserhahn halten, kann es der verhärtete Schwamm nicht mehr in vollem Umfang aufnehmen, obwohl genug Wasser da ist.

Für das Herz heißt das: Bei der diastolischen Herzinsuffizienz pumpt das Herz zwar ganz normal, nimmt aber nicht genug Blut aus der Lunge auf. Ein Teil des Blutes verbleibt daher im Vorhof und kann sich letztendlich bis in die Lungengefäße zurückstauen. Die Auswurfleistung (Ejektionsfraktion) der Herzkammer besteht in den meisten Fällen normal fort, weshalb diese Form der Herzschwäche schwer zu diagnostizieren ist.

Fazit: Bei der systolischen Herzinsuffizienz ist die Menge des einfließenden Blutes in die linke Herzhälfte normal, das Blut kann aber nicht vollständig in den Körper abgegeben werden, weil der Herzmuskel zu schwach pumpt. Bei der diastolischen Herzinsuffizienz gelangt dagegen weniger Blut in die linke Herzkammer, welches aber normal in den Kreislauf abgegeben wird, da die Pumpleistung stabil ist.

Die Diagnose der systolischen und diastolischen Herzinsuffizienz

Um die Herzschwäche optimal zu behandeln, ist es wichtig zu wissen, ob eine diastolische oder eine systolische Herzinsuffizienz vorliegt. Da die diastolische Herzschwäche erst seit wenigen Jahren als eigenständige Erkrankung wahrgenommen wird, sind Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten noch wenig erforscht. Anhaltspunkte zur Unterscheidung können sein:

  • Die diastolische Herzinsuffizienz tritt meist bei älteren Menschen über 70 Jahren auf; Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Fast immer spielt hoher Blutdruck eine Rolle, der Herzmuskel ist deshalb oft verdickt.
  • Die systolische Herzinsuffizienz, die „echte“ Pumpstörung, ist gut untersucht. Sie betrifft häufig Männer infolge eines Herzinfarkts.
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Bei der Diagnose kommen verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz. Die Ultraschalluntersuchung des Herzens ist eine der wichtigsten Methoden, mitunter kann auch eine Herzkatheter-Untersuchung aufschlussreiche Ergebnisse liefern.