Nur nicht schonen – Bei Herzschwäche helfen Sport und Bewegung

Herzschwäche: Älteres Paar hat das Training aufgenommen.

Sport und Bewegung mit geringer muskulärer Belastung ist ideal bei Herzinsuffizienz

Sich schonen und nicht sich zu belasten – das galt lange Zeit für Patienten mit Herzschwäche. Jede Anstrengung, sei es in Form von Sport oder anderen körperlichen Aktivitäten, sollte gemieden werden. Doch eine Herzinsuffizienz verbietet nicht jede Art von Bewegung. Im Gegenteil: Ein richtig abgestimmtes Training kann die Symptome lindern, den Verlauf positiv beeinflussen und das Herz stärken.

Sport bei Herzinsuffizienz: Steigerung der Leistungsfähigkeit & Verringerung der Krankenhausaufenthalte

Wer schnell unter Atemnot und Erschöpfung leidet, denkt nicht wirklich an sportliche Belastungen als Therapie. Lange verordneten Ärzte Herzschwäche-Patienten Schonung, um das angegriffene Herz nicht zusätzlich zu belasten.

Das ist mittlerweile überholt, denn heute wird sogar zu einem moderaten Training bei Herzschwäche geraten. Sport und gezielte Bewegung im Alltag können die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Untersuchungen haben ergeben, dass ein körperliches Training die Leistungsfähigkeit der Erkrankten wieder verbessert, die Zahl der Krankenhausaufenthalte verringert und sich positiv auf die  Lebensqualität und die Lebenserwartung auswirken kann.

Eine Bewegungstherapie oder ein Trainingsprogramm mit kurzen Belastungs- und langen Erholungsphasen ist in der Regel für Patienten mit Herzinsuffizienz der NYHA-Stadien I bis III möglich. Patienten mit NYHA-Stadium IV, die Atemnot schon im Ruhezustand haben, sollten zuerst medikamentös so eingestellt werden, dass die Krankheitssymptome über 4 Wochen stabil bleiben. Übrigens: Eine aktuelle Untersuchung hat gezeigt, dass der Verzehr von einem Glas Rote-Beete-Saft am Tag durch den Gehalt an anorganischem Nitrat die Ausdauerleistung und den systolischen Blutdruck messbar verbessern kann.*

Herzschwäche: Sport und Bewegung mit dem Arzt abstimmen

Vor Beginn des Trainings steht der Gang zum Arzt an, am besten zum Kardiologen, um zu besprechen, ob das gewählte Training auch geeignet ist. Neben der Überprüfung der medikamentösen Behandlung wird er in der Regel einen Belastungstest durchführen. Zumeist handelt es sich bei dem Belastungstest um eine Ergometrie (Messen der Leistungsfähigkeit auf einem Fahrrad oder Laufband) oder um eine Spiroergometrie (Messen der Atemgase während körperlicher Belastung) durch, um die individuelle Pulsobergrenze festzulegen. Danach kann er Empfehlungen für die angemessene Trainingsintensität geben. Patienten sollten anschließend aber nicht selbst ein Sportprogramm festlegen, sondern zuerst einige Trainingseinheiten unter ärztlicher Aufsicht absolvieren. In einer Reha-Klinik wird die Beurteilung noch während des Aufenthalts passieren. Wer keine Reha macht, kann sich in einer Herzsportgruppe oder dafür ausgelegten Fitness- und Gesundheitszentren beraten lassen. Hat der Herzschwäche-Patient diese ersten Trainingsrunden erfolgreich durchlaufen, sollte er für das weiterführende Training Mitglied in einer Herzsportgruppe werden. Diese gibt es im gesamten Bundesgebiet, Adressen finden Sie beispielsweise unter http://www.dgpr.de/herzgruppen.html.

Training mit Herzschwäche: Welcher Sport ist geeignet?

Patienten sollten Sport treiben, der keinen großen Kraftaufwand erfordert. Empfehlenswert zur Stärkung des Herzens sind zum Beispiel:

  • Spazierengehen,

  • Wandern,

  • Nordic Walking,

  • Radfahren,

  • aber auch gemäßigtes Tanzen oder Gymnastik.

Wichtig dabei ist, dass die Sportart Spaß macht. Schlecht geeignet sind Sportarten mit hoher muskulärer Belastung wie:

  • Krafttraining mit schweren Gewichten,

  • Kniebeugen und

  • Liegestützen.

Bei ihnen kommt es oft zu einer Pressatmung, die zu einem Druckanstieg im Brustkorb führen kann, der das Herz schlechter pumpen lässt. Eine moderate Muskelkräftigung unter kontrollierten Bedingungen ist jedoch möglich. Bei folgenden Symptomen sollten Sie das Training abbrechen:

  • Atemnot,

  • Schwindel oder

  • Herzrhythmusstörungen.

Suchen Sie einen Arzt auf, um die Beschwerden zu klären und das Trainingsprogramm anzupassen. Abgesehen vom Sport sollte auch der Alltag möglichst aktiv verbracht werden. Schon regelmäßige Spaziergänge, Gartenarbeit und Treppensteigen sind hilfreich. Übrigens: Eine aktuelle Untersuchung hat gezeigt, dass der Verzehr von einem Glas Rote-Beete-Saft am Tag durch den Gehalt an anorganischem Nitrat die aerobe Ausdauer und den systolischen Blutdruck messbar verbessert.

* Eggebeen et al. One week of daily dosing with beetroot juice improves submaximal endurance and blood pressure in older patients with heart failure and preserved ejection fraction ONLINE FIRST. JCHF. 2016. http://heartfailure.onlinejacc.org/article.aspx?articleid=2491381