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Eine Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche genannt, ist eine schwere Erkrankung, die in verschiedenen Ausprägungen auftreten kann. Dazu zählt neben anderen die linksseitige Herzinsuffizienz. Medizinerinnen und Mediziner unterscheiden zwei Formen: die systolische und die diastolische Herzinsuffizienz. Wir nehmen die diastolische Herzschwäche unter die Lupe.

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Systolische oder diastolische Herzinsuffizienz – Mann schiebt sein Rad.
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Luftnot beim Radfahren kann beispielsweise auf eine diastolische Herzinsuffizienz hinweisen.

Definition: Was ist eine diastolische Herzinsuffizienz?

Bei der diastolischen Herzinsuffizienz, auch als diastolische Dysfunktion oder diastolische Funktionsstörung bezeichnet, besitzt das Herz genug Pumpkraft. Allerdings nimmt es nicht genügend Blut auf, da die linke Herzkammer ihre Elastizität verloren hat oder gar versteift ist. Medizinerinnen und Mediziner sprechen bei der diastolischen Herzschwäche von einer linksseitigen Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion, kurz HFpEF ("Heart Failure with preserved Ejection Fraction").

 

Fachbegriffe schnell erklärt

Systole: Phase des Herzschlages, in der das Herz sich zusammenzieht und Blut hinauspumpt
Diastole: Phase, in der das Herz entspannt, so dass neues Blut hineinfließt und das Herz füllt
Ejektionsfraktion (EF): gilt als eine Kenngröße der Herzfunktion und gibt an, wieviel Blut das Herz pro Schlag auswerfen kann

Systolische und diastolische Herzinsuffizienz: Ein Vergleich

Die Funktionsweise des Herzens lässt sich mit einem nassen Schwamm vergleichen:

  • Je kräftiger Sie den Schwamm mit der Hand umschließen, desto mehr Wasser wird herausströmen. Wenn Sie weniger Kraft aufwenden, gelangt weniger Wasser aus dem Schwamm. Auf das Herz bezogen bedeutet das: Bei der systolischen Herzinsuffizienz ist der Herzmuskel nicht mehr stark genug, sich ausreichend zusammenzuziehen, sodass weniger Blut in den Körper strömt.
  • Im Fall der diastolischen Herzinsuffizienz ist der Schwamm verhärtet und kann nicht mehr so leicht zusammengepresst werden. Wenn Sie ihn nun unter den Wasserhahn halten, nimmt der verhärtete Schwamm das Wasser nicht mehr in vollem Umfang auf, obwohl genug Wasser vorhanden wäre.

Fazit: Bei der systolischen Herzinsuffizienz fließt ausreichend Blut in die linke Herzhälfte, das Blut kann aber nicht vollständig in den Blutkreislauf abgegeben werden, weil der Herzmuskel zu schwach pumpt. Bei der diastolischen Herzinsuffizienz gelangt dagegen weniger Blut in die linke Herzkammer, wird aber vollständig in den Kreislauf abgegeben, da die Pumpleistung stabil ist.

Interessant! 

Obwohl die systolische und diastolische Herzinsuffizienz auf unterschiedlichen Krankheitsmechanismen beruhen, bleiben die Symptome gleich: Oft kommt es bei beiden Formen zu Atemnot (auch nachts), einer verminderten körperlichen Belastbarkeit oder Rasselgeräuschen beim Atmen. Nur ein Kardiologe oder eine Kardiologin kann mit speziellen Untersuchungen feststellen, ob und auf welche Form der Herzinsuffizienz die Beschwerden zurückzuführen sind.

Diastolische Herzinsuffizienz

Gafische Darstellung diastolische und systolische Herzinsuffizienz.

Die linke Herzkammer (rot hinterlegt) dehnt sich nicht ausreichend. Dadurch gelangt weniger Blut hinein. Die Auswurfleistung (auch Ejektionsfraktion genannt) ist erhalten. Frauen sind von dieser Form der Herzinsuffizienz häufiger betroffen als Männer.2

Systolische Herzinsuffizienz

Gafische Darstellung diastolische und systolische Herzinsuffizienz.

Die Menge des einfließenden Blutes in die linke Herzkammer ist normal, sie kann aber beim Pumpvorgang nicht vollständig in den Blutkreislauf abgegeben werden. Die Auswurfleistung ist somit niedriger. Männer sind von dieser Form der Herzinsuffizienz häufiger betroffen als Frauen.

Erfahren Sie mehr über die systolische Herzinsuffizienz >>

Ursachen und Besonderheiten der diastolischen Herzinsuffizienz

Die diastolische Herzinsuffizienz hält einige Besonderheiten bereit. Bekannte Risikofaktoren für eine diastolische Dysfunktion sind unter anderem:3

  • Bluthochdruck
  • Adipositas (starkes Übergewicht)
  • Diabetes (Zuckerkrankheit)
  • weibliches Geschlecht
  • erhöhtes Alter

Die linke Herzkammer zeigt bei der diastolischen Funktionsstörung zwei unterschiedliche Ausprägungen. Entweder kann sie sich nur eingeschränkt entspannen (diastolische Relaxationsstörung) oder sie hat an Dehnbarkeit verloren.

Für beide Ursachen der diastolischen Herzschwäche gibt es unterschiedliche Auslöser:

  • diastolische Relaxationsstörung: Sie kann aufgrund einer Durchblutungsstörung, einer Zunahme der Herzwanddicke oder im Rahmen der Alterung entstehen. Wussten Sie schon? Die Häufigkeit der diastolischen Herzinsuffizienz nimmt zu. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen führen das unter anderem auf die steigende Lebenserwartung und die älter werdende Bevölkerung zurück.4
  • verminderte Dehnbarkeit: Möglichweise besteht eine Narbe, die bei einem Herzinfarkt entstanden ist oder eine versteifte Herzkammer, da der Körper dort übermäßig viel Bindegewebe einlagert (restriktive Kardiomyopathie).

Weil die Auswurfleistung (Ejektionsfraktion) der Herzkammer in den meisten Fällen regulär fortbesteht, ist die diastolische Herzinsuffizienz schwer zu diagnostizieren. Dennoch gibt es Möglichkeiten, die Erkrankung festzustellen.

Die Diagnose der diastolischen Herzinsuffizienz

Um die Herzinsuffizienz optimal zu behandeln, ist es wichtig zu wissen, ob eine diastolische oder eine systolische Form vorliegt. Neben einem ausführlichen Erstgespräch (Anamnese) führt der  Kardiologe oder die Kardiologinauf eine Reihe von Herzuntersuchungen durch. Die wichtigste ist die Echokardiographie: Das umgangssprachlich genannte Herz-Echo spielt zur Abgrenzung der diastolischen und systolischen Dysfunktion eine große Rolle. Denn mit dieser Untersuchung kann der Arzt oder die Ärztin die Ejektionsfraktion bestimmen und die Größe und Dicke der Herzkammern beurteilen.

Was ist die LV-Funktion? 

LV-Funktion steht für linksventrikuläre Funktion, also die Funktion der linken Herzkammer. Ist die Funktion eingeschränkt ist, liegt eine linksventrikuläre Funktionsstörung vor. Die LV-Funktion lässt sich mit einem Herz-Echo ermitteln.

Der Arzt oder die Ärztin teilt  Erkrankte je nach Schwere der Herzinsuffizienz in sogenannte NYHA-Stadien an, wobei Stadium 1 die leichteste Form und Stadium 4 die schwerste Form darstellt. Zudem kann eine diastolische Dysfunktion je nach Schweregrad in verschiedene Stadien eingeteilt werden, unabhängig von den NYHA-Stadien. Je nachdem, wie schnell sich die linke Herzkammer füllt, werden unterschiedliche Grade der Erkrankung unterschieden:5

  • diastolische Dysfunktion Grad 0: normale Füllung
  • diastolische Dysfunktion Grad 1: Störung der Entspannungsfähigkeit (Relaxationsstörung)
  • diastolische Dysfunktion Grad 2: Auf den ersten Blick normale Funktion, dabei sind Dehnbarkeit und Entspannung eingeschränkt (Pseudonormalisierung)
  • diastolische Dysfunktion Grad 3: Blutfüllung ist eingeschränkt (restriktiv)
    • Grad 3a: reversible Funktionsstörung, das heißt, nachdem der Patient oder die Patientin ein bestimmtes Medikament, welches die Blutgefäße erweitert (Vasodilatator) erhalten hat, stellt sich der Zustand aus Grad 2 ein
    • Grad 3b: auch wenn der Patient oder die Patientin das Medikament bekommt, ändert sich sein Zustand nicht (irreversibel)

Zusätzlich zur Echokardiographie erstellt der Mediziner oder die Medizinerin ein Blutbild und führt weitere Untersuchungen durch, wie ein EKG (Elektrokardiogram) oder Herzkatheteruntersuchung.

Bei der systolischen sowie der diastolischen Herzinsuffizienz handelt es sich um komplexe Erkrankungen, die oftmals mit weiteren Krankheiten einhergehen. Eine umfassende Diagnostik ist deshalb erforderlich.

Behandlung der diastolischen Herzinsuffizienz

Anders als bei der systolischen Herzinsuffizienz sind  klassische Medikamente gegen Herzschwäche nicht zur Behandlung der diastolischen Herzinsuffizienz geeignet, da sie dort kaum wirken. Die Therapie sieht ein Bewegungs- und Sportprogramm vor, idealerweise in einer Herzsportgruppe. Deren Leiter und Leiterinnen sind auf Teilnehmer und Teilnehmerinnen mit Herzerkrankungen spezialisiert. Gute Erfolge zeigt ein regelmäßiges moderates Ausdauertraining in Kombination mit Übungen zur Kraftsteigerung.3

Zusätzliche Behandlungsoptionen der diastolischen Herzinsuffizienz sind:

  • Therapie von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes
  • Abbauen von Übergewicht
  • Rauchstopp
  • gesunde Lebensführung

Von diesen Maßnahmen profitieren alle Patienten und Patientinnen der Herzinsuffizienz. Sie beugen zudem Folgeerkrankungen wie der akuten Herzinsuffizienz vor.

Quellen

1Internisten im Netz: Herzschwäche: Diagnose. URL: https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/herzschwaeche/diagnose.html (18.06.2020).
2 Duque ER, Briasoulis A, Alvarez PA (2019): Heart failure with preserved ejection fraction in the elderly: pathophysiology, diagnostic and therapeutic approach. Journal of Geriatric Cardiology. 2019;16(5):421-428. doi:10.11909/j.issn.1671-5411.2019.05.009
3 Gensthaler B. M. (2016): Diastolische Herzinsuffizienz: Sport effektiver als Medikamente. Pharmazeutische Zeitung. URL: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-092016/sport-effektiver-als-medikamente/ (18.06.2020).
4 Curr Heart Fail Rep.: The Emerging Epidemic of Heart Failure with Preserved Ejection Fraction. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3870014/ (22.06.2022).
5 Schmidt A. G. und Pieske B (2005).: Diastolische Herzinsuffizienz – Diagnostik. Deutsche Medizinische Wochenzeitschrift 130 (19): 1208-1212. URL: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/s-2005-868702. (18.06.2020).

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