Ein besonders unangenehmes und beängstigendes Gefühl ist es, das eigene Herz stolpern zu spüren. Doch für Patienten, die unter Herzrhythmusstörungen leiden, gehören unregelmäßige Herzschläge und die damit verbundenen Empfindungen zum Alltag. Spüren sie die Herzrhythmusstörungen wirklich immer? Welche unterschiedlichen Arten gibt es? Wie sieht die Behandlung aus? Und was für Folgen können Herzrhythmusstörungen nach sich ziehen?

Grafische Darstellung des Herzschlags: Bei Herzrhythmusstörungen verändert sich die Kurve im EKG.
AdobeStock_133070551_thodonal

Bei Verdacht auf schwere Herzrhythmusstörungen ist eine genaue Untersuchung des Herzschlags wichtig.

Direkt zur gewünschten Information:

Was sind Herzrhythmusstörungen?

Unter Herzrhythmusstörungen (medizinisch Arrhythmien) verstehen Ärzte Krankheitsbilder, die zu einer veränderten Herzschlagfrequenz führen. Das Herz der Betroffenen schlägt dabei zeitweise unregelmäßig. Ursächlich sind Störungen der Signale, welche die Pumpaktion des Herzens auslösen. Wenn es zu einer fehlerhaften Bildung oder Weiterleitung dieser Signale kommt, folgen in der Regel veränderte Herzschläge und der Rhythmus des Herzens ist gestört.

Die Herzrhythmusstörungen äußern sich entweder in zu schnellem Herzschlag (Tachykardiemit mehr als 100 Schlägen pro Minute oder in zu langsamem Rhythmus (Bradykardie), bei dem das Herz weniger als 60 mal in der Minute schlägt.1

Mögliche Symptome von Herzrhythmusstörungen

Eine Herzrhythmusstörung macht sich unter anderem durch folgende Symptome bemerkbar:

  • Herzrasen und unregelmäßiger Herzschlag
  • spürbares Herzklopfen
  • Herzstolpern (häufig bei Extrasystolen – zusätzliche Herzschläge zum normalen Rhythmus)
  • Schwindel und Übelkeit
  • Unruhe
  • Benommenheit bis hin zur Ohnmacht
  • Angstgefühle

Aufgepasst!

Nicht immer bekommt der Patient etwas von diesen Herzrhythmusstörungen mit: Oftmals verlaufen sie, ohne irgendwelche Symptome zu verursachen. Besonders ältere Menschen sollten sich daher regelmäßig beim Arzt untersuchen lassen, um Erkrankungen des Herzens rechtzeitig festzustellen. Natürlich auch dann, wenn bereits Beschwerden bestehen.

Verändert sich der Herzschlag schwerwiegend, kann eine Herzrhythmusstörung auch lebensbedrohlich werden. Entscheidend dabei ist, an welcher Stelle im Herzen die Arrhythmien entstehen. Demnach unterscheiden Mediziner zwischen Vorhofflimmern, Kammerflimmern und Extrasystolen.

Vorhofflimmern – eine Form der Herzrhythmusstörungen

Bilden sich Herzrhythmusstörungen am Vorhof, bleiben sie meist ungefährlich. Das sogenannte Vorhofflimmern zählt zu den häufigsten Formen in Deutschland – rund ein Prozent der Bevölkerung ist betroffen.2 Dabei ziehen sich die Herzvorhöfe nicht mehr richtig zusammen, was häufig an einer gestörten Signalweiterleitung liegt. In der Folge kommt es zu einem langsameren Blutstrom, wodurch die Bildung eines Blutgerinnsels möglich ist. Bleibt dieses unbehandelt, kann es schlimmstenfalls zu einem Schlaganfall kommen.

Das Tückische am Vorhofflimmern ist, dass diese Art von Herzrhythmusstörung oftmals unerkannt bleibt, da Betroffene manchmal keinerlei Symptome zeigen (asymptomatisches Vorhofflimmern).3 Treten jedoch Beschwerden auf, sind sowohl starker Herzschlag, Herzstolpern und schneller Puls spürbar als auch Benommenheit, Schwindel oder Schwächegefühl möglich.

Darüber hinaus unterscheiden Mediziner verschiedene Formen des Vorhofflimmerns anhand der Dauer:4

  • paroxysmales Vorhofflimmern: unregelmäßiges Auftreten, hört von selbst wieder auf
  • persistierendes Vorhofflimmern: hält länger als sieben Tage an, stoppt nicht von selbst; mittels passender Therapie behandelbar
  • permanentes Vorhofflimmern: besteht dauerhaft und länger als ein Jahr

 

Grundsätzlich ist Vorhofflimmern nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Unbehandelt und unerkannt erhöht es allerdings die Gefahr eines Schlaganfalls, was sich somit negativ auf die Lebenserwartung auswirkt.

Interessant!

Neben dem Vorhofflimmern gibt es auch das sogenannte Vorhofflattern. Dabei kommt es oftmals zu einem anfallsartigen Herzrasen, manchmal in Kombination mit Schwindel, Luftnot oder Brustenge. Von Vorhofflattern sind in der Regel nur Patienten betroffen, die einen Herzinfarkt hatten oder unter Bluthochdruck leiden.
 

Kammerflimmern – die gefährliche Herzrhythmusstörung

Liegt der Ursprung der Herzrhythmusstörung in einer Herzkammer, kann Kammerflimmern die Folge sein. Dabei ist die Herzfrequenz extrem hoch (über 320 Schläge pro Minute), sodass das Herz nicht mehr genügend Blut in den Körper pumpt.5 Eventuell kommt die Pumpfunktion auch vollständig zum Erliegen. Betroffene werden ohnmächtig, der Kreislaufstillstand ist möglich – ein medizinischer Notfall, der unbehandelt in kürzester Zeit tödlich enden kann. Kammerflimmern tritt auch in Zusammenhang mit einem Herzinfarkt auf.

Wissenswert!

Bei einer Herzfrequenz von 250 bis 320 Schlägen pro Minute sprechen Mediziner von Kammerflattern, das sich zu einem Kammerflimmern entwickeln kann.
 

Extrasystolen – zusätzliche Herzschläge

Eine weitere Form der Herzrhythmusstörungen sind die sogenannten Extrasystolen. Dabei handelt es sich um zusätzliche Herzschläge, die Betroffene oftmals als „Herzstolpern“ empfinden und die häufig in Ruhe auftreten. Je nach Entstehungsort der Extrasystolen teilen Ärzte diese in

  • supraventrikuläre Extrasystolen (Ursprung in einem Vorhof) und
  • ventrikuläre Extrasystolen (entsteht in einer Herzkammer) ein.

Grundsätzlich gelten Extrasystolen als ungefährlich. Jedoch kommt es manchmal auch zu Herzstechen oder Übelkeit, was manchen Patienten große Sorgen bereitet. In diesen Fällen ist die Behandlung durch den Kardiologen meist zielführend und kann zur vollständigen Heilung der Extrasystolen führen.

Wer ist von unregelmäßigem Herzschlag und Herzstolpern betroffen?

Auch bei ansonsten gesunden Menschen tauchen hin und wieder Herzrhythmusstörungen auf, die sich auf vielfältige Weise zeigen. Sogenannte Extrasystolen sind recht häufig, ohne krankhafte Ursache. Das sind Schläge, die unabhängig vom normalen Herzschlag auftreten und meist als Stolpern oder Aussetzer wahrgenommen werden. Diese gelegentlichen Extraschläge können ganz normal sein oder durch besondere Belastungssituationen, wie Übermüdung, Aufregung, übermäßigen Konsum von Nikotin, Kaffee oder Alkohol oder Medikamenteneinnahme, entstehen. Da auch Krankheiten Extrasystolen hervorrufen können, ist ein Arztbesuch bei wiederholtem oder erstmals langem Auftreten ratsam, um die Ursache zu ergründen. Vereinbaren Sie spätestens einen Termin, wenn Sie bei sich öfters Herzstolpern feststellen.

Folgende Erkrankungen können für einen unregelmäßigen Herzschlag verantwortlich sein:

Entstehen die Arrhythmien durch eine Erkrankung, muss diese behandelt werden, um weitere schädliche Folgen zu vermeiden.

Diagnose: Wie erkennen Betroffene und der Arzt Herzrhythmusstörungen?

Je nach Art der Herzrhythmusstörung kommen unterschiedliche Diagnoseverfahren zum Einsatz. Bestimmte Körpersignale helfen zum Beispiel dabei, Vorhofflimmern zu erkennen. Wie bei allen anderen Herzrhythmusstörungen auch, ist ein unregelmäßiger oder schneller Puls typisch dafür. Bemerken Sie zudem die oben genannten Symptome bei sich, sollten Sie nicht zögern und einen Arzt aufsuchen.

Um die Anzeichen des Vorhofflimmerns festzustellen, lohnt es sich zudem, täglich seinen Herzschlag zu erfühlen oder ihn mithilfe eines Pulsmessgerätes zu messen.

Für die tatsächliche Diagnose einer Herzrhythmusstörung nutzt der Arzt bei der Untersuchung ein Elektrokardiogramm (EKG), das die Herzmuskelströme aufzeichnet und als grafische Kurve abbildet. Bei einem Vorhofflimmern ordnet der Mediziner meist ein Langzeit-EKG an, da diese Art der Herzrhythmusstörung häufig unregelmäßig auftritt.

Bei einem Kammerflimmern hingegen zeigt das EKG sofort typische Kurvenverläufe in Form von unregelmäßigen, chaotischen Zacken.

Herzrhythmusstörungen: Welche Folgen haben Arrhythmien und welche Behandlungsoptionen sind möglich?

Sind die Arrhythmien harmloser Natur, ist eine Therapie meist nicht erforderlich. Werden Extrasystolen, für die es keinen nachgewiesenen organischen Auslöser gibt, als sehr beängstigend empfunden, gibt es medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten. Vor allem wenn Stress zu hohem Puls und den unangenehmen Extraschlägen führt, kann der Arzt einen niedrig dosierten Betablocker verordnen. Dieser hemmt die Wirkung der Stresshormone und senkt eine zu hohe Herzfrequenz, sodass das unangenehme Gefühl des Herzstolperns nachlässt.

Herzrhythmusstörungen: Messgerät zur Kontrolle
AdobeStock_162247150-sudok1

Bei Herzrhythmusstörungen ist die regelmäßige Kontrolle der Herzfrequenz unerlässlich.

Wenn eine Erkrankung vorliegt und die Arrhythmien vom behandelnden Arzt als gefährlich eingestuft werden, kommen weitere verschreibungspflichtige Medikamente zum Einsatz. Sie sollen den Herzschlag normalisieren, indem sie das Auftreten der Störungen unterbinden.

Bei der Behandlung von Vorhofflimmern kommen sowohl Medikamente als auch operative Verfahren zum Einsatz, wie die sogenannte Ablation. Dabei wird das Herzmuskelgewebe am Vorhof durch spezielle Sonden mit Hitze oder Kälte verödet. Falsche elektrische Impulse am Vorhof, die zum Herzen weitergeleitet werden und das Vorhofflimmern auslösen, sollen damit unterbunden werden. Die Ablation erzielt vor allem bei anfallsartig auftretenden Herzrhythmusstörungen Erfolge. Bei anhaltendem Auftreten muss sie unter Umständen mehrmals erfolgen.

Bleiben schwerwiegende Herzrhythmusstörungen dagegen unbehandelt, können sich daraus gefährliche Folgen für den Patienten entwickeln. Die häufigsten sind:

  • Herzinsuffizienz: Wird das Herz durch häufige Herzrhythmusstörungen übermäßig stark belastet, entwickelt sich unter Umständen eine Herzinsuffizienz – Betroffene sind schnell erschöpft und beobachten bei sich unter anderem Kurzatmigkeit und Wassereinlagerungen in den Beinen.
  • Schlaganfall: Bei starken Arrhythmien kann sich im Herz ein Blutgerinnsel bilden, das gemeinsam mit dem Blut durch den Körper fließt und feinste Gefäße verstopft. Passiert das im Gehirn, wird das durch plötzlich eintretende Symptome wie starke Kopfschmerzen, Sprachverlust und Lähmungserscheinungen (häufig auf eine Körperseite beschränkt) deutlich.
  • plötzlicher Herztod: Gelingt es dem Ersthelfer nicht, auftretendes Kammerflimmern mit dem Defibrillator unter Kontrolle zu bringen, führt das letztendlich zum Tod. Warnzeichen können im Vorfeld Atemnot, Engegefühl in der Brust und Schwindel sein – treten sie auf, sollten Sie das sehr ernst nehmen und sofort den Notarzt rufen.

Doch keine Angst: Durch rechtzeitige Diagnose und Behandlung der Herzrhythmusstörungen ist es möglich, Maßnahmen zu ergreifen und diesen Folgen vorzubeugen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten!

1Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e. V.: Herzrhythmusstörungen. URL: https://dzhk.de/herz-kreislauf-erkrankungen/herzrhythmusstoerungen/ (31.03.2020).
2ebd.
3Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe: Was passiert beim Vorhofflimmern? URL: https://www.schlaganfall-verhindern.de/vorhofflimmern/was-passiert-beim-vorhofflimmern (31.03.2020).
4ebd.
5München Klinik gGmbH: Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie). URL: https://www.muenchen-klinik.de/herz-kreislauf-erkrankungen/herzrhythmusstoerungen-kammerflimmern-vorhofflimmern/ (31.03.2020).

Medizinischer Infoservice

Bei medizinischen Fragen, Nebenwirkungsmeldungen oder Reklamationen zu unseren Produkten kontaktieren Sie bitte
den Novartis Pharma Infoservice.

Telefon: 0911 - 273 12 100 / Fax: 0911 - 273 12 160
E-Mail: [email protected]
www.chat.novartis.de

Der Medizinische Infoservice ist montags bis freitags von 8:00 bis 18:00 Uhr erreichbar.