Wie Herzfehler zu Herzinsuffizienz führen können

Krankenschwester untersucht Baby nach angeborenen Herzfehlern.

Die meisten Herzfehler werden bei den ersten Vorsorgeuntersuchungen von Neugeborenen erkannt.

Eine Herzschwäche, medizinisch Herzinsuffizienz, kann viele Ursachen haben. Eine davon wurde lange unterschätzt und ist erst in den letzten Jahren in den Fokus gerückt: angeborene Herzfehler. Sie können jahrelang unerkannt bleiben und erst im Erwachsenenalter entdeckt werden. Aber auch Personen, die in ihrer Kindheit aufgrund von Herzfehlern in medizinischer Behandlung waren, sind gefährdet, eine Herzinsuffizienz zu erleiden. Erfahren Sie mehr zu den Hintergründen und vorbeugenden Möglichkeiten.

Der häufigste angeborene Herzfehler ist der Ventrikelseptumdefekt

Ein Prozent aller neu geborenen Kinder weisen einen Herzfehler auf – damit ist er die häufigste angeborene Erkrankung.1 In Industrienationen mit guter medizinischer Versorgung können die meisten dieser Fehlbildungen gut behandelt werden, sodass die Kinder das Erwachsenenalter erreichen. Allerdings werden angeborene Herzfehler nur in Ausnahmefällen vollständig geheilt. Die meisten Patienten haben auch als Erwachsene mit den Folgen zu kämpfen. Nicht selten sind erneute Operationen nötig und die Gefahr für Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz ist erhöht.

Unter angeborene Herzfehler fällt eine Vielzahl an Fehlbildungen, die die zu- und abführenden Gefäße des Herzens oder das Herz selbst betreffen können. Der häufigste Herzfehler ist mit 30 bis 35 Prozent der Ventrikelseptumdefekt.2 Bei diesem Loch im Herzen besteht eine Verbindung zwischen den Herzkammern, welche bei einem gesunden Herzen nicht vorhanden ist. In der Folge fließt Blut von der linken in die rechte Herzkammer. Dadurch entsteht ein Druckverlust, den das Herz durch Mehrarbeit ausgleicht, was wiederrum zur Herzinsuffizienz führen kann.

Nach dem Ventrikelseptumdefekt gibt es weitere angeborene Herzfehler, beispielsweise:

  • persistierendes Foramen ovale (Loch zwischen den Vorhöfen, welches sich nach der Geburt nicht vollständig schließt)

  • Atriumseptumdefekt (Defekt der Herzscheidewand im Vorhof)

  • Fehlbildungen der Herzklappen

Die Ursachen für angeborene Herzfehlbildungen sind vielfältig: genetische Defekte wie Trisomie 21, Erkrankungen der Mutter (zum Beispiel Diabetes mellitus, Röteln) oder die Einnahme von Medikamenten oder Drogen der Mutter während der Schwangerschaft (zum Beispiel Alkohol).

  • Herzfehler können unterschiedlich stark ausfallen: Manche Patienten haben gleich mehrere und benötigen Operationen. Andere Fehlbildungen sind nur gering ausgeprägt und bedürfen zunächst keiner Behandlung. Und manche Betroffenen erfahren erst als Erwachsene davon, dass sie eine Herzfehlbildung haben – etwa, wenn eine Herzinsuffizienz auftritt.

    Auch die Symptome für eine Herzfehlentwicklung sind je nach Schweregrad verschieden. Bei Neugeborenen fallen oftmals Gedeihstörungen und veränderte Herztöne auf. Betroffene leiden zudem vermehrt unter einer eingeschränkten Belastbarkeit, häufigen Lungeninfekten oder Herzstolpern.

Herzfehler als Ursache für Herzinsuffizienz

Eine Herzinsuffizienz ist eine schwere Erkrankung. Denn wenn das Herz zu schwach ist, ausreichend Blut durch den Körper zu pumpen, hat das Folgen: Erschöpfung und geringe Belastbarkeit über Wassereinlagerungen (Ödeme) bis hin zu Atemnot sind typische Symptome. Ein angeborener Herzfehler kann dafür verantwortlich sein:

  • Wurde die Fehlentwicklung des Herzens schon in der Kindheit erkannt und operiert, kann es im Laufe der Jahre trotzdem zur Verschlechterung kommen. Beispielsweise ist es möglich, dass eine operierte Herzklappe undicht wird, woraus sich unbehandelt eine Herzschwäche entwickeln kann. Auch wenn eine Herzkammer übermäßigen Belastungen ausgesetzt ist, besteht die Gefahr, dass die Herzleistung mit der Zeit nachlässt.3

  • Jahrelang unerkannte Herzfehler können das Herz stark beanspruchen. Ein Beispiel dafür ist ein Loch im Herzen, durch das kontinuierlich Blut hindurchtritt. Auch kleine Mengen können über die Jahre das Herz belasten.

Was kann einer Herzschwäche vorbeugen? Patienten, die von ihrem angeborenen Herzfehler wissen, sollten sich auch nach erfolgreicher Behandlung regelmäßig untersuchen lassen. So kann eine Herzschwäche frühzeitig erkannt und therapiert werden. Ansonsten ist es wichtig, eventuelle Anzeichen einer Herzschwäche nicht einfach hinzunehmen, sondern so bald wie möglich einen Arzt aufzusuchen, um eine Behandlung einzuleiten. Denn eine leichte angeborene Beeinträchtigung des Herzens kann für die Betroffenen lange symptomlos bleiben.

1 Amboss – Fachwissen für Medizinier: Angeborene Herzfehler. URL: https://www.amboss.com/de/wissen/Angeborene_Herzfehler (19.11.2018)
2 Bauer U.: Angeborene Herzfehler. URL: https://www.herzkind.de/media_upload/ajaxfilemanager/02%20%20UEberblick%20AHF.pdf (19.11.2018)
3 hil/aerzteblatt.de: Herzinsuffizienz bei Erwachsenen mit angeborenem Herzfehler früh erkennen. URL: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/56795/Herzinsuffizienz-bei-Erwachsenen-mit-angeborenem-Herzfehler-frueh-erkennen (19.11.2018)