Herzinsuffizienz: Folgen für den Körper | Ratgeber Herzinsuffizienz

Niere, Leber, Lunge – die Folgen einer chronischen Herzinsuffizienz lassen sich in vielen Organen des Körpers feststellen. Hauptursache hierfür sind Stauungen des Blutstroms, die wiederum zu Wasseransammlungen im Körper führen. Auswirkungen können beispielsweise eine Leberzirrhose, ein Lungenödem oder ein erhöhtes Thromboserisiko sein. Eine Übersicht möglicher Folgen finden Sie hier!

Mann mit Problemen beim Schuhe anziehen: Ödeme als Folge einer Herzinsuffizienz
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Ödeme am Fuß: Auswirkungen einer Herzinsuffizienz

Herzinsuffizienz: Auswirkungen für das Herz

Die ersten Konsequenzen einer Herzinsuffizienz betreffen das Herz selbst: Sie entstehen bereits Monate oder sogar Jahre, bevor sich die ersten Symptome der Herzinsuffizienz bemerkbar machen. Noch dazu sind diese anfangs so unscheinbar, dass sie kaum wahrgenommen und häufig auf das Alter geschoben werden.

Zu Beginn der Erkrankung versucht der Körper, die reduzierte Pumpleistung des Herzens zu kompensieren und die Organe weiterhin ausreichend mit Blut zu versorgen. Dafür erhöht er zum einen die Pulsfrequenz, zum anderen steigert er körpereigene Reparaturmaßnahmen an den Herzmuskelzellen. Zusätzlich wird der Blutdruck durch eine Engstellung der Gefäße erhöht.

Infolge dieser Maßnahmen vergrößern sich sowohl die Muskelzellen des Herzens als auch die der Gefäße – es kommt zu einem strukturellen Umbau, dem sogenannten Remodelling. Zwar nimmt die Pumpkraft des Herzens wieder zu, langfristig wird das Herz jedoch immer weiter geschädigt, da das durch den Umbau entstehende Narbengewebe nicht so elastisch ist wie das ursprüngliche Muskelgewebe. Dies kann weitere Folgekrankheiten oder Komplikationen begünstigen.

Therapietreue bei Herzinsuffizienz

Eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem Arzt, regelmäßige Untersuchungen und eine gut eingestellte Medikation können helfen, den Alltag trotz Herzinsuffizienz zu meistern.

Erhöhtes Thrombus-Risiko bei einem geschwächten Herz

Patienten mit einer Herzinsuffizienz – und vor allem bettlägerige Menschen – gelten als besonders gefährdet, ein Blutgerinnsel (Thrombus) zu entwickeln. Ein Thrombus ist eine feste Masse an Blutbestandteilen, der sich in den Blutgefäßen formiert und den Blutfluss behindern kann (Thrombose). Häufig entsteht ein Thrombus in den Beinen. Das bemerken Betroffene unter anderem daran, dass diese sich schwerer anfühlen oder anschwellen.

Aber auch direkt im Herzen ist ein Blutgerinnsel möglich: Werden Herzkranzgefäße verschlossen, kommt es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff des entsprechenden Herzmuskelabschnittes und dadurch unter Umständen zu einem Herzinfarkt. Ein Thrombus kann sich zudem lösen und beispielsweise vom Herzen in das Gehirn oder die Lunge wandern und einen Schlaganfall oder eine Lungenembolie verursachen.

Lungenembolie erkennen

Wird eine Lungenembolie rechtzeitig erkannt und behandelt, kann das Leben des Patienten gerettet werden. Doch wie macht sie sich bemerkbar? Um die Embolie zu erkennen, wurden die sogenannten PERC-Kriterien (englisch: pulmonary embolism rule-out) entwickelt. Leidet ein Patient an

  • akuter Atemnot und
  • Schmerzen in der Brust

kann eine Lungenembolie vorliegen, insofern eines der acht Kriterien zutrifft:1

  • gesteigerte Pulsfrequenz (mindestens 100 Schläge pro Minute)
  • arterielle Sauerstoffsättigung liegt bei 94 Prozent oder weniger
  • einseitige Beinschwellung
  • Aushusten von Blut (Hämoptyse)
  • vor kurzer Zeit durchgeführte Operation oder zugezogene Verletzung
  • es lag bereits eine Lungenembolie oder tiefe Venenthrombose vor
  • Älter als 50 Jahre
  • Einnahme von Östrogenen

Zudem können Schweißausbrüche und der Verlust des Bewusstseins im Akutfall auftreten. Weist eine Person Anzeichen der Lungenembolie auf, sollte sofort der Notruf gerufen oder ein Arzt aufgesucht werden.

Bei Patienten mit einer Herzschwäche wird sich der Arzt daher explizit nach Anzeichen einer Thrombose erkundigen und ebenfalls die Beine untersuchen. Als Diagnosemittel verwendet er meist einen Ultraschall oder andere bildgebende Verfahren.

Zur Auflösung eines Thrombus im Herz oder anderer Gefäße, verschreibt der Arzt zunächst in der Regel blutgerinnungshemmende Mittel. Zeigen diese nicht die erwünschte Wirkung, muss eine operative Entfernung des Blutgerinnsels (Thrombektomie) in Erwägung gezogen werden.

Perikarderguss und Herzinsuffizienz

Bei einem Perikarderguss (häufig auch Herzbeutelerguss genannt) handelt es sich um eine übermäßige Flüssigkeitsansammlung in der sogenannten Perikardhöhle, die sich zwischen der Herzhaut und dem Herzbeutel (Perikard) befindet. Eine geringe Menge Flüssigkeit in diesem Bereich ist an sich normal und sogar wichtig: Sie mindert den Reibungswiderstand der Herzschläge und wird ständig vom Körper aufgenommen, was für einen stabilen Kreislauf sorgt.

Bei einem Perikarderguss ist jedoch zu viel Wasser im Herzen vorhanden, wodurch der Herzmuskel eingeengt wird und seine Leistungsfähigkeit verliert, also eine Herzinsuffizienz entstehen kann. Auf der anderen Seite begünstigt eine ungenügende Herzleitung auch die Flüssigkeitsansammlung. In gewissem Maße bedingen sich Herzinsuffizienz und Perikarderguss somit gegenseitig. Und auch die Beschwerden wie Atemnot ähneln den Symptomen einer Herzinsuffizienz.2

Ein akuter Perikarderguss sollte schnellstmöglich behandelt werden, um schwerwiegende Folgeschäden (bis hin zum Herzstillstand) zu vermeiden. Oft ist eine Perikardpunktion notwendig. Bei diesem Verfahren sticht der Arzt mit einer Nadel in die Perikardhöhle, um das Wasser im Herzen zu entfernen.

Herzinsuffizienz: Wie hoch ist die Gefahr eines plötzlichen Herztodes (Asystolie)?

Er kommt praktisch „aus dem Nichts“ und wird deshalb so gefürchtet – der plötzliche Herztod oder Herzstillstand (Asystolie). Meist liegt bei Betroffenen jedoch eine (oft unbemerkte) Herzerkrankung zugrunde. Auch bei einer Herzinsuffizienz ist das Risiko eines Herzversagens erhöht.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass eine Asystolie dank der Fortschritte in den Behandlungsmöglichkeiten heute deutlich geringer ist als noch 1998. Während die jährliche Inzidenzrate für einen plötzlichen Herztod bei Herzinsuffizienz-Patienten damals noch bei 7,6 Prozent lag, wurde in einer jüngeren Studie von 2014 nur noch eine jährliche Rate von 3 Prozent festgestellt. Somit hat die Inzidenzrate um 44 Prozent abgenommen.3 Das liegt auch daran, dass vielen Patienten, die ebenfalls an starken Herzrhythmusstörungen leiden, Mini-Defibrillatoren (sogenannte ICD-Geräte) eingesetzt werden. Diese Geräte können den Herzschlag durch einen Stromschlag wieder in Rhythmus bringen.

Kommt es zu einem Herzstillstand, ist vor allem die Zeit ein entscheidender Faktor. Bei Patienten ohne implantierten Mini-Defibrillator sollte sofort eine Behandlung mit einem externen Defibrillator erfolgen. Automatische Defibrillatoren können auch von ungeübten Personen angewendet werden und sind häufig auch an öffentlichen Plätzen zu finden.

Wassereinlagerungen als Folge der Herzinsuffizienz: Körper- und Lungenödeme

Im weiteren Verlauf betreffen die Auswirkungen der Herzinsuffizienz neben dem Herz auch andere Organe. Eine besonders wichtige Rolle spielen hierbei Wasseransammlungen im Körper, sogenannte Ödeme. Diese spezifischen Folgen der Herzinsuffizienz entstehen, wenn sich das Blut in den Gefäßen staut und aus den kleinsten Gefäßendungen, den sogenannten Kapillaren, Flüssigkeit in das Gewebe übertritt.

Kardiales Lungenödem als Folge der Linksherzinsuffizienz

Bei der Linksherzinsuffizienz staut sich das Blut in die Lunge zurück. Der Druck in den Blutgefäßen der Lunge steigt in der Folge an, dadurch wird Flüssigkeit in das Lungengewebe gepresst. Es entsteht ein kardiales Lungenödem (kardial, da das Herz die Ursache für die Wassereinlagerungen ist). Die Wassereinlagerungen behindern den Gasaustausch in der Lunge, sodass weniger Sauerstoff ins Blut gelangt. Betroffene spüren das durch

  • Atemnot, die schnell zunehmen und sich verstärken kann,
  • Husten (Asthma cardiale) und
  • eine bläuliche Verfärbung von Nase, Lippen, Fingerspitzen und Zehen (Zyanose).

Durch die Atemnot kann es zu Panik und Erstickungsanfällen kommen. Oftmals treten die Beschwerden bei körperlicher Belastung oder in liegender Position auf – also, wenn viel Sauerstoff benötigt wird oder der Druck auf den Lungenkreislauf erhöht ist.

Ein Lungenödem kann sich schleichend ankündigen, aber auch plötzlich auftreten. Entsteht eine akute Atemnot ist das ein medizinischer Notfall. Um das Leben des Patienten zu retten, muss schnellstmöglich eine ärztliche Behandlung erfolgen. Durch eine Sauerstoffmaske und die Verabreichung von Medikamenten gegen Schmerzen, Stress und zur Erweiterung von Gefäßen stabilisiert der Arzt zunächst den Zustand. Gängig sind beispielsweise Nitrate, Morphin, ACE-Hemmer und/oder Heparin. Der Patient wird mit erhöhtem Oberkörper und tiefer liegenden Beinen gelagert.

Anschließend gibt der Mediziner zur Therapie des kardialen Lungenödems meist entwässernde Medikamente (Diuretika). Damit schwemmt der Körper vermehrt Wasser aus, was die Ödeme zurückgehen lässt. Zudem muss die zugrundeliegende Erkrankung wie eine Herzinsuffizienz behandelt werden.

Ödeme im Körper durch die Rechtsherzinsuffizienz

Ödeme als Auswirkungen der Herzinsuffizienz können auch in anderen Bereichen des Körpers auftreten. Dies ist bei der Rechtsherzinsuffizienz der Fall. Dann sammelt sich Blut vor dem Herzen an. Die Ödeme entstehen dabei zunächst dort im Körper, wo sich die vermehrte Flüssigkeit im Gewebe aufgrund der Schwerkraft sammelt: in den Beinen, vor allem am Fußrücken, an den Knöcheln und den Schienbeinen. Auch im Bauchraum kann sich Flüssigkeit anstauen: Dieser sogenannte Aszites ist im Volksmund auch als Bauchwassersucht bekannt. Werden die Ödeme als Herzinsuffizienz-Folge nicht behandelt, kann dies zu dauerhaften Veränderungen des Gewebes wie Verhärtungen, Pigmentstörungen und offenen Beinen führen.

Begleiterkrankungen der Herzinsuffizienz

Auch die Leber und die Niere sowie der Verdauungstrakt können von den Herzinsuffizienz-Auswirkungen betroffen sein. Durch die eingeschränkte Pumpleistung des Herzens ist ein Stau von Blut in den Venen vor der Leber möglich. So ist als Herzinsuffizienz-Folge eine sogenannte Stauungsleber möglich. Aus dieser kann sich, wenn sie chronisch wird, eine Leberzirrhose entwickeln. Die Leber verhärtet sich dabei zunehmend, schrumpft und erfüllt immer weniger ihre Aufgabe. Sammelt sich das Blut im Verdauungstrakt, führt dies zu Appetitlosigkeit, Verstopfung und Völlegefühl. Zudem entsteht möglicherweise eine Entzündung der Magenschleimhaut, die sogenannte Stauungsgastritis.

Bei einer chronischen Herzinsuffizienz verschlechtert sich die Nierenfunktion langsam, aber zunehmend. Ein Grund dafür ist, dass das Herz weniger Blut durch den Körper pumpt und es dadurch zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff kommt. Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit beschränken sich die Gefäßverkalkungen nicht nur auf das Herz, sondern können auch weitere Blutgefäße im Körper wie beispielsweise die der Niere betreffen. So können die Nierengefäße durch die Verkalkung verschließen. Die Niere wird dadurch minderdurchblutet, was ihre Funktion einschränkt. Dies hat wiederum Auswirkungen auf das Herz: Wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, werden bestimmte Stoffwechselprodukte nicht ausreichend ausgeschieden. Diese reichern sich im Blut an. Ein zu hoher Kaliumgehalt im Blut kann beispielsweise gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Zudem steigen durch eine mangelnde Nierenfunktion die Wasseransammlungen im Körper weiter an, was das Herz zusätzlich belastet.

Gedächtnisprobleme als mögliche Folge der Herzinsuffizienz

Durch eine Herzinsuffizienz kann auch das Gehirn geschädigt werden: In einer Untersuchung zeigte sich, dass bei Herzinsuffizienz-Patienten in den Teilen des Gehirns, die mit Gedächtnis, Nachdenken und Planung in Verbindung stehen, weniger der sogenannten grauen Substanz (Bestandteil des zentralen Nervensystems) vorhanden war. Die Betroffenen waren bei Denkaufgaben langsamer und schnitten schlechter ab als gesunde Menschen.

  1. Ärztezeitung: Pulmonalembolie: Gefährlich oft unentdeckt. URL: https://www.aerztezeitung.at/archiv/oeaez-2018/oeaez-19-10102018/pulmonalembolie-gefaehrlich-oft-unentdeckt.html (14.11.2019).
  2. Leading Medicine Guide: Perikarderguss – Medizinische Experten. URL: https://www.leading-medicine-guide.de/Herz-Gefaesse/Perikarderguss (Stand: 27.06.2019).
  3. Overbeck, Peter: Plötzlicher Herztod bei Herzinsuffizienz: Risiko hat tendenziell abgenommen. URL: https://www.kardiologie.org/herzinsuffizienz/ploetzlicher-herztod-bei-herzinsuffizienz-risiko-hat-tendenziell/13291294 (Stand: 27.06.2019).

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