Herzinsuffizienz – Folgen für den gesamten Körper

Mann mit Problemen beim Schuhe anziehen: Ödeme als Folge einer Herzinsuffizienz

Ödeme am Fuß: Auswirkungen einer Herzinsuffizienz

Niere, Leber, Lunge – die Folgen einer chronischen Herzinsuffizienz lassen sich in vielen Organen des Körpers feststellen. Hauptursache hierfür sind Stauungen des Blutstroms, die wiederum zu Wasseransammlungen im Körper führen. Die Auswirkungen können ernste Folgeerkrankungen wie Leberzirrhose, ein Lungenödem oder eine verminderte Nierenfunktion sein.

Herzinsuffizienz: Folgen für das Herz

Die ersten Herzinsuffizienz-Folgen betreffen das Herz selbst: Sie stehen am Anfang der Erkrankung und entstehen bereits Monate oder sogar Jahre, bevor sich die ersten Symptome der Herzinsuffizienz bemerkbar machen. Noch dazu sind diese anfangs so unscheinbar, dass sie kaum wahrgenommen und häufig aufs Alter geschoben werden. Zu Beginn der Erkrankung versucht der Körper, die reduzierte Pumpleistung des Herzens zu kompensieren und die Organe weiterhin ausreichend mit Blut zu versorgen. Dafür erhöht er zum einen die Pulsfrequenz, zum anderen steigert er körpereigene Reparaturmaßnahmen an den Herzmuskelzellen. Zusätzlich wird der Blutdruck durch eine Engstellung der Gefäße erhöht. Durch diese Maßnahmen vergrößern sich sowohl die Muskelzellen des Herzens als auch die der Gefäße – es kommt zu einem strukturellen Umbau, dem sogenannten Remodelling. Zwar nimmt die Pumpkraft des Herzens dadurch wieder zu, langfristig wird das Herz jedoch immer weiter geschädigt, da das durch den Umbau entstehende Narbengewebe nicht so elastisch ist wie das ursprüngliche Muskelgewebe.

Wassereinlagerungen als Folge der Herzinsuffizienz: Körper- und Lungenödeme

Im weiteren Verlauf betreffen die Herzinsuffizienz-Folgen auch andere Organe. Eine besonders wichtige Rolle spielen hierbei Wasseransammlungen im Körper, sogenannte Ödeme. Diese spezifischen Folgen der Herzinsuffizienz entstehen, wenn sich das Blut in den Gefäßen staut und aus den kleinsten Gefäßendungen, den sogenannten Kapillaren, Flüssigkeit in das Gewebe übertritt.

Kardiales Lungenödem als Folge der Linksherzinsuffizienz

Bei der Linksherzinsuffizienz staut sich das Blut in die Lunge zurück. Der Druck in den Blutgefäßen der Lunge steigt in der Folge an, dadurch wird Flüssigkeit in das Lungengewebe gepresst. Wassereinlagerungen in der Lunge entstehen, das sogenannte kardiale Lungenödem (kardial, da das Herz die Ursache für die Wassereinlagerungen ist). Die Flüssigkeit behindert den Gasaustausch in der Lunge, sodass weniger Sauerstoff ins Blut gelangt. Betroffene spüren das

  • in Atemnot, die schnell zunehmen und sich verstärken kann,

  • Husten (Asthma cardiale) und

  • an einer bläulichen Verfärbung von Nase, Lippen, Fingerspitzen und Zehen (Zyanose).

Durch die Atemnot kann es zu Panik und Erstickungsanfällen kommen. Oftmals treten die Beschwerden bei körperlicher Belastung oder in liegender Position auf – also wenn viel Sauerstoff benötigt wird oder der Druck auf den Lungenkreislauf erhöht ist.

Ein Lungenödem kann sich schleichend ankündigen, aber auch plötzlich auftreten. Entsteht eine akute Atemnot, handelt es sich um einen medizinischen Notfall. Um das Leben des Patienten zu retten, muss schnellstmöglich eine ärztliche Behandlung erfolgen. Durch eine Sauerstoffmaske und die Gabe von Medikamenten gegen Schmerzen, Stress und zur Erweiterung von Gefäßen stabilisiert der Arzt zunächst den Zustand. Zum Einsatz kommen beispielsweise Nitrate, Morphin, ACE-Hemmer und/oder Heparin. Der Patient wird mit erhöhtem Oberkörper und tiefer liegenden Beinen gelagert.
Anschließend gibt der Mediziner zur Therapie des kardialen Lungenödems meist entwässernde Medikamente (Diuretika). Damit schwemmt der Körper vermehrt Wasser aus, was die Ödeme zurückgehen lässt. Zudem muss die zugrundeliegende Erkrankung wie eine Herzinsuffizienz behandelt werden.

Ödeme im Körper durch die Rechtsherzinsuffizienz

Ödeme als Auswirkungen der Herzinsuffizienz können auch in anderen Bereichen des Körpers auftreten. Dies ist bei der Rechtsherzinsuffizienz der Fall, bei der sich das Blut vor dem Herzen staut. Die Ödeme entstehen dabei zunächst dort im Körper, wo sich die vermehrte Flüssigkeit im Gewebe aufgrund der Schwerkraft sammelt: in den Beinen, vor allem am Fußrücken, an den Knöcheln und den Schienbeinen. Auch im Bauchraum kann sich Flüssigkeit ansammeln: Dieser sogenannte Aszites ist im Volksmund auch als Bauchwassersucht bekannt. Werden die Ödeme als Herzinsuffizienz-Folge nicht behandelt, kann dies zu dauerhaften Veränderungen des Gewebes wie Verhärtungen, Pigmentstörungen und offenen Beinen führen.

Begleiterkrankungen der Herzinsuffizienz

Auch die Leber und die Niere sowie der Verdauungstrakt können von den Herzinsuffizienz-Auswirkungen betroffen sein. Durch die eingeschränkte Pumpleistung des Herzens kommt es unter Umständen zu einem Stau von Blut in den Venen vor der Leber. So ist als Herzinsuffizienz-Folge eine sogenannte Stauungsleber möglich. Aus dieser kann sich, wenn sie chronisch wird, eine Leberzirrhose entwickeln. Die Leber verhärtet sich dabei zunehmend, schrumpft und erfüllt immer weniger ihre Aufgabe. Sammelt sich das Blut im Verdauungstrakt, führt dies zu Appetitlosigkeit, Verstopfung und Völlegefühl. Zudem entsteht möglicherweise eine Entzündung der Magenschleimhaut, die sogenannte Stauungsgastritis.

Bei einer chronischen Herzinsuffizienz verschlechtert sich die Nierenfunktion langsam, aber zunehmend. Ein Grund dafür ist, dass das Herz weniger Blut durch den Körper pumpt und es dadurch zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff kommt. Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit beschränken sich die Gefäßverkalkungen nicht nur auf das Herz, sondern können auch weitere Blutgefäße im Körper wie beispielsweise die der Niere betreffen. So kann es durch die Verkalkung zu einem Verschluss der Nierengefäße kommen. Die Niere wird dadurch minderdurchblutet, was ihre Funktion einschränkt. Dies hat wiederum Auswirkungen auf das Herz: Wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten, werden bestimmte Stoffwechselprodukte nicht ausreichend ausgeschieden. Diese reichern sich im Blut an. Ein zu hoher Kaliumgehalt im Blut kann beispielsweise gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Zudem steigen durch eine mangelnde Nierenfunktion die Wasseransammlungen im Körper weiter an, was das Herz zusätzlich belastet.

Gedächtnisprobleme als mögliche Folge der Herzinsuffizienz

Durch eine Herzinsuffizienz kann auch das Gehirn geschädigt werden: In einer Untersuchung zeigte sich, dass bei Herzinsuffizienz-Patienten in den Teilen des Gehirns, die mit Gedächtnis, Nachdenken und Planung in Verbindung stehen, weniger der sogenannten grauen Substanz (Bestandteil des zentralen Nervensystems) vorhanden war. Die Betroffenen waren bei Denkaufgaben langsamer und schnitten schlechter ab als gesunde Menschen.